(V. li.:) Die Gemeinderäte Daniela Gasser und Bernhard Geisler, Bgm. Dieter Wittlinger, Ehrenringträger Dr. Reinhart Kurz, Gemeinderäte Bernadette Stöckl und Hubert Mayr und Gemeindevorstand Thomas Salvenmoser

Ehrenring an Dr. Reinhart Kurz verliehen

Man muss besondere Verdienste im Leben erbracht haben, um in Walchsee einen Ehrenring, die zweithöchste Auszeichnung einer Gemeinde, überreicht zu bekommen. Beim mittlerweile pensionierten Gemeindearzt Dr. Reinhart Kurz ist dies der Fall und deshalb sprach sich der Gemeinderat einstimmig für diese Verleihung aus. Am Sonntag nach dem Erntedankfest wurde ihm dieser überreicht. „Die Gemeinde will damit deine außergewöhnliche hausärztliche Tätigkeit wertschätzen und sich bedanken“, sagte Bgm. Dieter Wittlinger, bevor er die Lauda­tio für den Geehrten hielt.

Dr. Reinhart Kurz ist in einer Arztfamilie aufgewachsen und so fiel die Berufswahl nicht schwer – heute würde man sagen, sie wurde ihm mit der

Geburt auf der Festplatte gespeichert. Die Eltern, Dr. Ingrid und Dr. Wilhelm Kurz, waren beide Wiener und haben in Innsbruck Medizin promoviert. Das Ehepaar blieb in Tirol, nachdem sich auch der Großvater von Reinhart Kurz bereits dort niedergelassen hatte. Der Archäologe ist nach dem Krieg über den damaligen Pfarrer Mayr nach Walchsee gekommen und ist dort geblieben. 1951 eröffnete Wilhelm Kurz in Walchsee eine Praxis. Um als Arzt in der damals recht kleinen, bäuerlichen Gemeinde überleben zu können, bildete er sich auch in der Zahnmedizin weiter. Anfangs wurde er von seiner Frau Ingrid unterstützt, die sich dann jedoch der Kindererziehung widmete und zusammen mit Hildegard und Günther Wittlinger die Dr. Vodder-Schule etablierte.

Sohn Reinhart studierte in den 1970er Jahren Medizin in Innsbruck. Die folgende dreijährige Turnuszeit absolvierte er im BKH Kufstein und an der Uniklinik in Innsbruck. Anschließend folgte eine Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie im Krankenhaus Kufstein bei Primar Dr. Gundolf.

 

Tanzen, Skifahren und Bergsteigen

Der Lateinamerikanische Tanz war in der Studienzeit die Leidenschaft des angehenden Arztes und dabei hat er an etlichen Tanz-Turnieren mit großem Erfolg teilgenommen. Als schwindelfreier Alpinist absolvierte er mit seinem Vater Hochgebirgstouren, etwa auf das Kitzsteinhorn, den Dachstein oder auch die Grande Randonée auf Korsika und bereits während der Zeit als Turnusarzt brach er zum Heliskiing nach Kanada und in die Schweiz auf. Viele dieser unvergesslichen Momente in der Natur hat Kurz fotografisch oder filmisch festgehalten. Seine Affinität für die Berge ließ ihn auch Mitglied der Walchseer Bergwacht werden, für die er auch bei Bergrettungseinsätzen tätig war.

 

Engagierter Hausarzt

Am 1. Oktober 1982 übernahm Dr. Reinhart Kurz, nach einer Ausschreibung durch die Tiroler Ärztekammer, offiziell die Kassenpraxis seines Vaters. Aufgrund von Schwierigkeiten bei der Übergabe lag vorerst für die Hausapotheke nur eine provisorische Bewilligung vor. Im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit hat Kurz unzählige Zusatzqualifikationen erworben, von denen seine Patienten enorm profitierten. Unfallchirurgische Nachbetreuung, Röntgen, alternative Therapieformen wie Homöopathie, Neuraltherapie, Laser-Akupunktur und die Moratherapie fanden in der Behandlung der Kranken ihre Anwendung. Sieben Jahre lang führte seine Mutter Ingrid nebenbei noch eine Wahlarztpraxis im Haus. Dr. Kurz ist zudem ausgebildeter Notfallmediziner, ebenso hat er sich Zusatzqualifikationen für die manuelle Medizin, die Palliativmedizin und die Psychoonkologie erworben. Von 1985 bis 1990 war er als Notarzt im Flugretter-Einsatz der Ortsstelle des Roten Kreuzes in Kitzbühel tätig. Von 1994 bis 1998 war er dort Chefarzt. Auch seine Aufgabe als Feuerwehrarzt in Walchsee nahm er ernst, die Sicherheit seiner Kameraden in medizinischen Belangen waren ihm immer ein Anliegen. Gründungsmitglied war Dr. Kurz auch beim Langlaufclub Walchsee und ebenso beim Motor­rad-Club.
Dr. Reinhart Kurz war zwei Mal verheiratet und hat drei Kinder. Heute bedauert er vor allem, dass seine erste Ehe unter dem familien­unfreundlichen Beruf sehr gelitten hatte.
Wichtig war Reinhart Kurz auch, dass die Praxis nach seiner Pensionierung weitergeführt wird und so hatte er seit geraumer Zeit zwei Vertretungsärztinnen beschäftigt. „Eine Gemeinde unserer Größe ohne Arztpraxis ist nicht vorstellbar“, erklärte Bgm. Wittlinger. Deshalb hat man seitens der Gemeinde die Bemü­hungen von Dr. Kurz sehr unterstützt. Die Gemeinde erwarb die neuen Praxis­räumlichkeiten und die Bevölkerung hat weiterhin ärztliche Betreuung und eine Apotheke im Ort.

 

Gemeinsam was G’scheites

(V. li.:) Bgm. Richard Dagn, GR Erwin Schweinester, Bgm. Reinhold Flörl und Bgm. Dieter Wittlinger sowie ein leitender Angestellter der Firma Bodner beim Spatenstich.

Am 27. August fand der Spatenstich für den Recyclinghof Kaiserwinkl statt. Es ist dies ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinden Walchsee, Kössen und Schwendt. „Gemeinsam können wir eine richtig g’scheite Anlage bauen“, versichert Bgm. Dieter Wittlinger und verwies darauf, dass der Kössener GR Erwin Schweinester in den letzten Jahren nie in seinen Bemühungen nachgelassen hat, um die Errichtung einer solche Gemeinschafts-Anlage weiterzutreiben. „Ihm gebührt für das Entstehen und sein großes dauerhaftes Engagement dafür großer Dank“, erklärte Wittlinger weiter.

Von Seiten des Landes werden derartige Projekte, die gemeindeübergreifend – in diesem Fall sogar bezirks­übergreifend – realisiert werden, deutlich höher gefördert. Auch in der Folge kann den Bürgern mehr geboten werden, wenn meh­rere Gemeinden für die notwendigen Investitionen aufkommen. So gesehen ist dieses Projekt eine Investition in die Zukunft, denn der Entsorgung von sogenanntem Abfall wird immer mehr Bedeutung beigemessen.

3,1 Mio. Euro netto investieren die Gemeinden in dieses Verbandsprojekt. 2,4 Mio. Euro betragen die eigentlichen Kosten für die Recyclinganlage, 200.000,– Euro werden für eine 100 kWp-Photovoltaikanlage investiert und 500.000,– Euro sind für die nötige Zufahrt samt Brücke veranschlagt.

Die Planungen für dieses Projekt wurden bereits im August 2019 aufgenommen und am 18. März 2020 erfolgte die erste Verbandsversammlung. Mit dem Grundeigentümer Josef Fahringer, der dort bereits eine Kompostieranlage betreibt, wurde ein Baurechtsvertrag über 30 Jahre abgeschlossen, mit der Option einer Verlängerung um weitere 20 Jahre bzw. einer Kaufoption. Die Grundfläche für das gesamte Areal beträgt knapp 5.000 Quadratmeter.

Der Baubeginn ist bereits erfolgt, die Fertigstellung ist für Anfang Mai 2022 geplant. In 16 Containern werden die einzelnen Abfallfraktionen gesammelt und einer Wiederverwertung zugeführt. Einfahrtsberechtigt werden alle Bürger der drei Gemeinden sein, die dafür eine Bürgerkarte benötigen. Die Kosten werden anteilsmäßig aufgeteilt und – wie dies bei Verbandsprojekten üblich ist – nach den Einwohnerzahlen der Gemeinden berechnet.

Die Generalplanung erfolgte über Baumeister Ing. Gerhard Klingler, Architekt ist DI Alois Huber und die Baumeisterarbeiten werden von der Firma Bodner ausgeführt. Zum Verbands­obmann wurde Erwin Schweinester gewählt.

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