Als ich kurz nach unserem Schulfest durch die vertrauten Gänge meiner Schule ging, wurde mir bewusst, wie viel dieser Ort für mich bedeutet. Nach 28 Jahren als Direktorin dieser Schule verabschiede ich mich nun in den Ruhestand.
Die Zeit ist so schnell vergangen. Nach meinem Studium an der pädagogischen Akademie in Innsbruck arbeitete ich erst in der Buchhandlung Tyrolia in der Maria-Theresien-Straße und wäre dort fast geblieben. Als ich dann jedoch meine erste Dienststelle als Lehrerin in der zweiklassigen Volksschule in Forchach angeboten bekam, zog es mich doch zurück in die Klasse und ich habe es nie bereut.
Besonders prägend war für mich der Unterricht in der Sonderschule in Ötztal Bahnhof. Meine Klasse mit schwerstbehinderten Kindern war mein bester Lehrmeister, denn dort wurde mir sehr intensiv bewusst, dass die Grundlage für gutes Lernen nur auf Basis einer vertrauensvollen und einander zugewandten Beziehung zwischen Lehrerin und Schülern funktionieren kann.
Doch der Arbeitsweg war immer noch weit und so suchte ich um Versetzung nach Innsbruck an, wollte ich doch gerne in der Stadt bleiben. Die Bildungsdirektion hatte jedoch andere Pläne und schickte mich kurzerhand wieder zurück in meinen Heimatort Kössen. Dort waren nach der Pensionierung von Rita Standl zwei Lehrerstellen frei geworden und so übernahmen Günter Brunner als Direktor und ich als Lehrerin der 1./2. Klasse die pädagogischen Geschicke der dortigen Schulkinder. Kurz danach wurde das alte Schulgebäude umgebaut und wir bekamen wunderbare neue Räumlichkeiten. Ich werde meine 10 Jahre an dieser heimeligen Kleinschule mit dem imposanten Schulhaus mitten im Grünen nie vergessen, danke liebe Bichlacher, ich war gerne bei euch!
Da ich von Anfang an mehrere Schulstufen in meinen Klassen hatte, machte ich mich bald auf die Suche nach geeigneten pädagogischen Unterrichtsmethoden und fand vor 40 Jahren in der Montessori- und Freinet-Pädagogik schließlich die für mich geeigneten Grundsteine für mein Arbeiten. „Freier Text“, „Hilf mir, es selbst zu tun“, „Arbeit in Werkstätten“, „Draußen Lernen“, das waren die Schlagworte, die von Anfang an wie für mich gemacht waren.
Deshalb bewarb ich mich 1998 um die Stelle als Direktorin der Volksschule Schwendt. Ich hatte meine eigene Vision von Schule und wollte dafür auch die Verantwortung übernehmen.
Die Schwendter hatten es da am Anfang sicher nicht leicht mit mir, denn meine pädagogischen Ansätze kamen so manchen Eltern durchaus fragwürdig vor.
Die Zeit hat jedoch gezeigt, dass sich mittlerweile Plan- und Freiarbeitsphasen sowie offenes Lernen in allen Schulformen durchgesetzt haben und das freut mich persönlich sehr!
Viel Freude haben mir auch meine Lehrtätigkeiten in der Lehrerfortbildung gemacht.
Ob nun die Mitarbeit in der Lernwerkstatt Wörgl, die Arbeit in der Sommerfortbildung der Pädagogischen Akademie Innsbruck oder die Ausbildung der zukünftigen Schulbibliothekare – es war schön, die eigenen Erfahrungen an Kolleginnen und Kollegen weitergeben zu können.
Am liebsten jedoch war mir die Arbeit mit meinen Schulkindern und das hat sich auch über die lange Zeit nie geändert.
Wenn ich auf diese Jahre zurückblicke, dann denke ich nicht zuerst an Zahlen oder Projekte. Ich denke an Begegnungen. An Geschichten. An Kinder, die heute längst erwachsen sind und vielleicht selbst schon ihre Kinder zur Schule bringen.
Kein Tag war wie der andere und so manches Mal haben die Kinder meine Arbeitspläne durcheinandergewirbelt, weil eine mitgebrachte Eidechse, ein bunter Blumenstrauß oder ein Streit auf dem Schulweg gerade wichtiger waren, als der geplante Lernstoff.
Es war und ist ein großes Privileg, so viele junge Menschen ein Stück ihres Weges begleiten zu dürfen. Die Kinder erinnern mich immer wieder daran, wie wichtig Freude am Lernen, Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt sind.
Die Schule in einem kleinen Dorf ist viel mehr als ein Ort des Lernens. Sie verbindet Generationen. Hier kennt man einander, hilft einander und freut sich miteinander. Danke, dass ich Teil dieser Gemeinschaft sein durfte!
Ein herzliches Dankeschön gilt auch den Eltern meiner Schulkinder. Danke für euer Vertrauen, für die gute Zusammenarbeit und dafür, dass ihr unsere Schule über all die Jahre mitgetragen, unterstützt und bereichert habt.
Schule gelingt, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen – und genau das habe ich hier in Schwendt immer wieder erlebt.
Von Herzen danke ich meinen Kolleginnen. Eure Kreativität, euer Engagement und eure Menschlichkeit machen unsere Schule zu einem Ort, an dem sich Kinder wohlfühlen und (meistens) gerne lernen. Die Zusammenarbeit mit euch war für mich nicht nur eine berufliche Aufgabe, sondern eine große Freude und Bereicherung. Viele gemeinsame Erlebnisse, miteinander bewältigte Herausforderungen und schöne Momente werden mir in Erinnerung bleiben.
Mein Dank gilt auch den Bürgermeistern meiner Zeit in Bichlach und Schwendt, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und dem Schulpersonal, das mich auf vielfältige Weise unterstützt hat.
Natürlich fällt mir der Abschied nicht ganz leicht. Ich werde die Begegnungen, die Gespräche, das fröhliche Stimmengewirr auf den Gängen und die vielen besonderen Momente mit meinen Schulkindern vermissen. Gleichzeitig freue ich mich auf den neuen Lebensabschnitt, der vor mir liegt.
Ich gehe mit einem Herzen voller schöner Erinnerungen und wünsche der Volksschule Schwendt alles Gute für die Zukunft: weiterhin fröhliche Kinder, engagierte Lehrerinnen, vertrauensvolle Eltern und viele Menschen, die mit Herz und Leidenschaft dazu beitragen, dass diese Schule ein Ort bleibt, an dem Lernen und Leben Freude machen.
Heidi Jauk




