Es ist so weit, mit diesen Zeilen verabschiede ich mich von euch als Lehrer und Schulleiter, mit dem 1. April trete ich in den Ruhestand über.

Ich habe am 10. September 1984 als Junglehrer am damaligen Polytechnischen Lehrgang begonnen, in meinem ersten Dienstjahr war Dir. Franz Wieser mein Vorgesetzter, Dir. OSR Thomas Wörgötter ging kurz zuvor in den Ferien in Pension. Ich muss gestehen, es war ein kleiner Kulturschock für mich. Der Polytechnische Lehrgang war im Keller der damaligen Hauptschule untergebracht, bis auf eine Hand voll veralteter Lehrmaterialien war nichts vorhanden. Ich wurde jedoch von den damaligen Kolleginnen und Kollegen sehr nett und freundlich aufgenommen, Dir. Wieser war ein guter Lehrmeister für den Start meiner Lehrtätigkeit. Meiner Familie und mir gefiel gleich das Leben im Kaiserwinkl, wir fühlten uns wohl.

Nach diesem Jahr wurde Hans Sturm Schulleiter, mit ihm habe ich 19 Jahre gemeinsam am Poly – später an der Polytechnischen Schule – gearbeitet. Vieles ist in dieser Zeit entstanden, geschehen – Südtirol-Fahrten, London-Reisen, Ausbau der Schnupperwochen, Beginn der Digitalisierung, erfolgreiche Teilnahme an unterschiedlichen Wettbewerben und schließlich der Wandel zur Polytechnischen Schule mit ihren unterschiedlichen Fachbereichen. Die Zeit mit Hans Sturm zeichnete sich durch beste Zusammenarbeit aus, dafür bin ich ihm heute noch dankbar.

Im Herbst 2003 übernahm ich nach der Pensionierung von OSR Hans Sturm die Leitung der PTS. Den erfolgreichen Weg konnten mein Kollegium und ich fortsetzen, Hauptaugenmerk legte ich in dieser Zeit auf die bauliche Neugestaltung der Schule. 2012 war dieses große Vorhaben beendet, endlich konnten neue Klassen und vor allem großzügige Werkstätten und Nebenräume für die Fachbereiche bezogen werden. Ein moderner, polyspezifischer Unterricht war nun ohne räumliche Einengung möglich.
In der Rückschau hat sich mir diese Zeit als besonders erfolgreich eingeprägt, die Arbeit an der Polytechnischen Schule mit den Jugendlichen und den Kolleginnen und Kollegen habe ich überaus geschätzt. Dem Schultyp entsprechend stand hier das Arbeiten mit Herz, Hirn und Hand im Vordergrund. Es galt zu erforschen, zu entdecken, auf das kommende Berufs- und Arbeitsleben vorzubereiten. Eine Tätigkeit, die sehr erfüllend war, Freude bereitete, aber auch mitunter sehr forderte.  Flexibilität und Offenheit für Neues waren ständig gefragt.

Im Herbst 2012 wurde ich von verschiedenen Seiten gefragt, ob ich Interesse hätte, die Leitung der damaligen Hauptschule Kössen nach der anstehenden Pensionierung von Dir. Josef Kurz zu übernehmen. Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich dazu und reichte meine Bewerbung ein.

Ab dem 1. Feber 2013 leitete ich nun die Hauptschule gemeinsam mit der Polytechnischen Schule, die auf meinen Vorschlag hin zu einer Schule unter einer Leitung vereint wurden.
Gerade die ersten Jahre waren nicht immer einfach. Zwei unterschiedliche Schultypen und zwei Kollegien zusammenzuführen, laufende Veränderungen in der Schulpolitik und ein ewiges „Herumexperimentieren“ am Schultyp der Hauptschule bis sie über den Umweg der „Neuen Mittelschule“ endlich zur Mittelschule wurde, erschwerten die Schulleitertätigkeit.
Ich erinnere nur an die Einführung des Teamteachings, der neuen Beurteilungsskala, die Reduzierung der Leistungsgruppen, Änderungen im Bereich des sonderpädagogischen Förderbedarfs, neue kompetenzorientierte Lehrpläne, neue Dienstrechte, geänderte Behördenstrukturen, … all dies brachte Verunsicherung und Ängste – nicht nur im Lehrkörper – mit sich. Ein Schulleiter ist der Erste, der Widerstände, Aversionen und Demotivation von allen Seiten zu spüren bekommt. In dieser Zeit zweifelt man manchmal an meiner Arbeit, Position und an sich selbst, besonders, wenn von manch vorgesetzter Stelle keinerlei Unterstützung zu erwarten ist. Meine damalige Stellvertreterin Frau Schulrätin Gabriele Schweinberger war mir stets eine große Hilfe, ihr gebührt ein ganz besonderer Dank.

Jedoch auch die stärksten „Stürme“ legen sich und die Zeiten ändern sich. Die Mittelschule ist längstens bestens eingeführt, in der Bevölkerung anerkannt und ich denke, im Großen und Ganzen gehen die Kaiserwinkler Kinder gerne in die MS Kössen.

In diesen Jahren änderte sich auch die Zusammensetzung des Kollegiums. Zwei Drittel der Kollegenschaft von 2013 ist mittlerweile in den Ruhestand getreten. Heute ergänzen sich im Kollegium Neues und Innovation mit Altbewährtem und Erfahrung.

Dass ich folgende zwei Projekte umsetzen konnte, darauf bin ich besonders stolz.
Da ist zum einen die Einführung der Schulsozialpädagogik an meiner Schule. Die Schulsozialpädagogik bietet ein niederschwelliges Angebot, um die Schülerinnen und Schüler, die Eltern aber auch die Lehrpersonen bei Problemen und krisenhaften Themenfeldern, wie Social Media, Konflikten, Kriegen, geänderten Familienstrukturen, Immigration, unterschiedlichen Erziehungsvorstellungen etc. zu unterstützen.

Zum anderen die Schaffung eines Sekretariats: Frau Beate Schwentner ist Anlaufstelle und „Servicepoint“ für Schülerinnen und Schüler, Eltern, Kolleginnen und Kollegen, Gemeinden, Firmen und natürlich für mich. Ein Sekretariat an einer Pflichtschule ist heute nicht mehr wegzudenken, endlich haben dies auch Politik und Behörden erkannt.

Einen letzten Wermutstropfen musste ich gegen Ende meiner beruflichen Laufbahn zur Kenntnis nehmen. Mit Ende des Schuljahres 2024/25 wurde die Polytechnische Schule Kössen von der Bildungsdirektion für Tirol geschlossen. Begründet wurde dies mit einer zu geringen Schüleranzahl im Schnitt der letzten drei Schuljahre – die Mindestanzahl wurde um einen Schüler unterschritten.

Die meisten Begegnungen während meiner „Lehrerzeit“ waren interessant, zum Teil auch erheiternd, selten unangenehm. Der Weg durch meine Berufskarriere verlief leicht bis anspruchsvoll, ab und zu etwas steil und steinig. Mit einem klaren Ziel vor Augen war jedoch immer alles erreichbar.

Ich verabschiede mich bei allen, die in diesen 42 Dienstjahren meinen Weg beruflich gekreuzt haben oder einen Teil des Weges mit mir gemeinsam gewandert sind.

In erster Linie bei meinen ehemaligen Schülerinnen und Schülern, deren Eltern, meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen sowie beim Hauspersonal mit Hannes Schwentner an der Spitze, ebenso bei den Sprengelgemeinden, den Banken, Firmen, Vereinen, Institutionen, persönlichen Helfern, Sponsoren und Behördenvertretern.

Ich wünsche allen für die Zukunft alles Gute und bedanke mich ganz herzlich.

Euer ehemaliger

 

Direktor OSR Christoph Hundegger