„Einmal hat jemand einen Schuh in der Toilette versenkt. Ich dachte mir nur: Das kann jetzt nicht wahr sein.“Hannes Schwentner schüttelt den Kopf. Heute lacht er darüber. Damals wurde er zum Detektiv. „Wenn die Kinder etwas anstellten, versuchte ich immer den Schuldigen zu finden.“ Und er war oft erfolgreich. Im Laufe seiner 28 Jahre an den Kössener Schulen klärte er sogar einmal einen Gelddiebstahl auf, wie er sichtlich stolz verrät. Vor allem war Hannes aber jahrzehntelang der, der kam, wenn etwas nicht funktionierte. Die Kössener Schulen waren bis zu seiner heurigen Pensionierung sein Revier, dabei war er anfangs gar nicht für diese Stelle vorgesehen. „Es war sehr knapp. Wir waren 35 Bewerber, ich schaffte es unter die letzten zwei Kandidaten und dann entschieden sich die Verantwortlichen mit 7 zu 8 Stimmen für meinen Mitbewerber.“ Vier Monate später klingelte jedoch sein Telefon. Der bevorzugte Schulwart hatte das Handtuch geworfen und die Gemeinde klopfte bei Hannes an. „Der Start war eine Challenge. Eine Woche Einschulungszeit, dann war mein Vorgänger weg und ich stand alleine da. Und das, wo dies meine erste Stelle als Schulwart war.“ Der Kössener ist gelernter Schlosser. Dann geht sein Lehrbetrieb in Konkurs. Er fährt LKW für einen Metzger. Später verschlägt es ihn auf den Bau. „Meine ersten Schulwartwochen waren mehr als fordernd, aber ich war mein eigener Chef, das gefiel mir. Dazu kam ich mit den Kindern und Lehrern gut aus. Das machst du jetzt erst einmal, dachte ich mir. Naja, und jetzt blieb ich bis zu meiner Pension“, ergänzt er augenzwinkernd. Vor allem mit Christoph Hundegger, dem späteren Direktor der Polytechnischen Schule sowie Mittelschule Kössen kam er gut aus. Auch Christoph ging heuer in Pension, nach vier Jahrzehnten an Kössens Schulen.

Von Tante Heidi nach ganz oben

„Ich kam gerade frisch von der Pädagogischen Akademie als ich Kössen als Lehrer für die dortige Polytechnische Schule zugewiesen wurde. Ganz ehrlich, ich kannte den Ort nicht einmal. Walchsee war mir durch einen Mitschüler noch bekannt, aber Kössen“, schmunzelt Christoph, der sein Herz beruflich und privat recht schnell an seine Wahlheimat verlor. „An die 80er denke ich sehr gern zurück. Technik wie heute suchtest du damals vergeblich an der Schule. Wir arbeiteten noch mit Matrizendruckgeräten, die nach Spiritus rochen. Der Aufwand war groß, aber die Behörden weit weg vom Kaiserwinkl und der Druck war viel geringer als heute.“ Dass er Lehrer wird, war für ihn immer schon klar, schon in der Volksschule sprach er davon. Dabei war er selbst nur ein „mittelmäßiger Schüler“, wie er lachend gesteht. „Ich war so gern bei Tante Heidi im Kindergarten und wollte gar nicht in die Volksschule, entsprechend war mein Einsatz. Meine Mutti sagt noch heute, dass es eine Qual war, mir das Lesen beizubringen. Aber es wurde besser und da jeder Hundegger ins Akademische Gymnasium gehen sollte, landete auch ich dort. Allerdings nur für ein Jahr. Dann war meine Gymnasiumkarriere beendet und ich wechselte in die Hauptschule.“ So richtig Gas gibt er im Studium und Kössen entfachte seinen Feuereifer gänzlich. „Der Direktor der Polytechnischen Schule war gerade in Pension gegangen, die zwei einzigen Lehrer waren weggezogen. Meine Kollegin, ebenfalls frisch vom Studium, und ich hatten quasi freie Hand.“ Christoph lehrt und lernt, durch Fortbildungen und von seinen Schülern. „Ich bin durch die Kinder geduldig geworden und sie haben mich in die Digitalisierung getrieben. Als ich nämlich bemerkte, dass sie in dem Gebiet recht schnell mehr wussten als ich, startete ich neben meiner Arbeit eine eineinhalbjährige Informatikausbildung an der Pädagogischen Akademie.“

Lausbuben und Holzrampen

Hannes und Christoph. Der Schulwart und der Direktor. Ein eingespieltes Team, das längst eine Freundschaft verbindet. „Ab und an standen wir beisammen, wenn morgens Schüler zu Hannes kamen – Spintschlüssel vergessen. Oh, da hat er ernst geschaut. Ohne höflich fragen ging gar nichts. Bei den Lausbuben, die ständig ihren Schlüssel vergaßen, blickte er extra streng“, verrät Christoph. „Ja, früher musste ich mich schon manchmal umdrehen, damit mich die Schüler nicht schmunzeln sahen, wenn einer der Lausbuben wieder etwas angestellt hatte. Wobei sich die Kinder leider verändert haben. Heute sagt zum Beispiel kaum noch wer „Guten Morgen“.“ Verändert haben sich auch die Anforderungen an den Schulwart. „Zu mir sagte erst letztens jemand, dass ein Schulwart nicht viel zu tun hat, außer vielleicht einmal Lampen tauschen. Dem habe ich was anderes von unserem Hannes erzählt. Allein wie viele Baustellen er begleitet hat“, so Christoph. Ein Punkt, den Bildungsreferentin und Lehrerin Gabriele Pertl nur bestätigen kann. „Du konntest gar nicht so schnell schauen, wie Hannes Lösungen für ein Problem fand. Einmal sagte ich ihm nebenbei, dass es mit dem Rollstuhl eines Kindes so schwierig wäre über die Treppen in den Pausenhof zu gelangen. Eine Woche später stand dort eine Rampe.“ Und fragt man Gabriele nach ihrem nun pensionierten Direktor Christoph, fällt der Bildungsreferentin sofort ihr Erstgespräch mit ihm ein. „Christoph wusste, wie er mich als Lehrerin gewinnen konnte. Mindestens fünf Mal hat er in dem Gespräch erwähnt, dass ich bei einem Wechsel nach Kössen jeden Tag mit dem Rad in die Schule fahren könnte. Damit hat er mich als leidenschaftliche Radlerin letztlich überzeugt und ich habe es nie bereut“, erzählt sie mit einem Lachen.

Was bleibt

Dieses Frühjahr ging die Ära der beiden an den Kössener Schulen zu Ende. Hannes verabschiedete sich im Februar und Christoph zog vor den Osterferien aus seiner Schule aus. „Ich hatte in den Semesterferien Schritt für Schritt begonnen, Abschied zu nehmen. An meinem letzten Tag hatte ich nur noch eine kleine Schachtel zum Mitnehmen. So wie man es aus amerikanischen Filmen kennt, wenn jemand gefeuert wird und mit ein paar Kugelschreibern und persönlichen Fotos im Karton die Firma verlässt“, lacht der ehemalige Direktor. Beide genießen ihre Pension. Und das Beste, ihr Kontakt bleibt. Erste gemeinsame Aktivitäten sind bereits geplant. „Ich wünsche euch als Lehrerin, Bildungsreferentin und im Namen der Gemeinde das Allerbeste. Genießt die Pension in vollen Zügen“, so Gabriele Pertl.