Von März bis Juni 2026 wurde im Kaiserwinkl in fünf aufeinander aufbauenden Workshops an einer differenzierenden Zukunftsstrategie gearbeitet. 19 Projektteilnehmer begleiteten den Prozess. Der Anspruch war von Beginn an größer als eine neue Kommunikationsidee. Es ging darum, herauszuarbeiten, was den Kaiserwinkl im Kern ausmacht, wie Gäste die Region tatsächlich erleben und wofür sie in Zukunft stehen soll. Der Prozess folgte deshalb einer klaren Reihenfolge: Markenidentität, Resonanz, Nährböden und Positionierung sowie Zielpersonas.
Der erste Workshop setzte bei der eigenen Identität an. Grundlage dafür waren unter anderem 108 Rückmeldungen aus einer vorausgegangenen Einheimischen- Befragung. Gefragt wurde nach Eigenschaften des Kaiserwinkls, seinen besonderen Stärken, der Stimmung der Region und danach, was bei der zukünftigen Entwicklung keinesfalls verloren gehen darf. Daraus wurden fünf Markenwerte entwickelt: sanft, bewegend, zugänglich, wertvoll und ungeahnt. Sie sind nicht als Werbebotschaften gedacht, sondern als gemeinsamer Charakter der Region und als Grenze dafür, was zum Kaiserwinkl passt und was nicht.
Im zweiten Workshop am wurde dieser Blick von innen mit der Wahrnehmung der Gäste abgeglichen. Dafür wurden eine digitale Gästeumfrage mit 148 Teilnehmern sowie 19 persönliche Interviews mit Stammgästen durchgeführt. Besonders deutlich wurden Ruhe und Entschleunigung, Ursprünglichkeit und Bodenständigkeit, die Kombination aus Bergen, Seen und Almen, sanfte Aktivität, kurze Wege und die persönliche Nähe zu Gastgebern. Bei den Gästen taucht immer wieder dasselbe Muster auf: Aktiv sein, aber nicht abarbeiten müssen. Natur erleben, ohne Trubel. Ankommen, ohne große Inszenierung. Auch Schwächen wurden benannt: Lücken in Gastronomie und Nahversorgung, Mobilität ohne Auto, teilweise fehlende Infrastruktur rund um das Naturerlebnis sowie saisonale und Schlechtwetter-Angebote.
Im dritten Workshop richtete sich der Blick nach vorne. Die bisherige Markenidentität wurde durch die Gästewahrnehmung klar bestätigt; das größte noch nicht ausgeschöpfte Potenzial wurde beim Wert „ungeahnt“ gesehen. Gleichzeitig formulierte die Gruppe, künftig verstärkt jüngere, internationale und qualitätsbewusste Gäste anzusprechen. Dazu passen Entwicklungen wie Slow Travel, mentale Regeneration, die Suche nach authentischen Orten, Natur als Gegenpol zum digitalen Alltag und das wachsende Interesse an weniger bekannten Destinationen. Die strategische Frage wurde damit konkreter: Was kann der Kaiserwinkl glaubwürdig besetzen, das nicht beliebig auf andere Alpenregionen übertragbar ist?
Die Antwort führte zu den vier Naturelementen und deren Zusammenspiel. Aus ihnen entstand die Idee einer Region, in der körperliche Bewegung und geistige Regeneration zusammengehören. Als erster strategischer roter Faden wurde formuliert: „Die elementarste Soulbase der Alpen.“ Gemeint ist kein Claim, sondern ein internes Selbstverständnis: Die vorhandenen Naturelemente sollen genutzt werden, um Menschen durch Aktivität und Regeneration in ihre persönliche Balance zu bringen.
Im vierten Workshop am 30. Juni wurde diese Positionierung weiter geschärft und auf ihre praktische Bedeutung geprüft. Begriffe wie „elementarste“ und „Soulbase“ wurden durchaus kritisch diskutiert; daneben entstanden Alternativen wie „natürlichste Kraftquelle“, „bewegendste Soulbase“ oder ein „sanfter alpiner Wirkraum für Bewegung, Regeneration und natürliche Balance“. Genau diese Diskussion war wichtig: Nicht eine möglichst schöne Formulierung sollte gewinnen, sondern eine Positionierung, die in der Region verstanden und später tatsächlich umgesetzt werden kann.
Aus der intensiven Auseinandersetzung mit den verschiedenen Varianten entstand schließlich ein gemeinsamer Entschluss: Der Kaiserwinkl positioniert sich künftig als „Die kraftvollste Soulbase der Alpen. Als kraftvollste Soulbase der Alpen nutzen wir als einzige Region bewusst das Zusammenspiel der vorherrschenden Naturelemente, um Menschen durch Aktivität und Regeneration in ihre ganz eigene Balance zu bringen.“
Parallel wurde mit Zielpersonas gearbeitet. Drei größere Bedürfnisfelder zeichneten sich ab: Menschen, die für sich selbst Kraft, Sinn oder Natur suchen; aktive Gäste wie Golfer, Biker und Wintersportler; sowie Familien und Gruppen, die bewusst gemeinsam erleben wollen.
Den Abschluss des Strategieprozesses bildete der fünfte Workshop auf der Hinhagalm. Gemeinsam wanderte die Gruppe zur Alm hinauf und nutzte den Weg, um die Ergebnisse der vergangenen Monate noch einmal aufzugreifen und miteinander zu besprechen. Abseits des klassischen Workshop-Settings standen dabei der gemeinsame Austausch und der Blick auf das bisher Erarbeitete im Vordergrund. So wurde der Strategieprozess dort abgeschlossen, wo viele seiner zentralen Gedanken unmittelbar erlebbar sind: in der Natur, in Bewegung und im gemeinsamen Unterwegssein.
Der Strategieprozess 2026 liefert damit keinen fertigen Endpunkt. Er liefert einen gemeinsamen Rahmen. Die nächsten drei bis fünf Jahre sollen genutzt werden, um diesen Rahmen gemeinsam mit den Mitgliedern weiterzuentwickeln und die Positionierung in konkrete Angebote, Infrastruktur, Kommunikation und betriebliche Entscheidungen übersetzen. Klar ist dabei: Der Strategieprozess soll nicht in der Schublade landen, sondern Teil der weiteren Entwicklung des Kaiserwinkls sein. Entscheidend wird sein, die Strategie nicht neben dem touristischen Alltag laufen zu lassen. Sie muss dort sichtbar werden: im Winterangebot, bei neuen Produkten, in der Gastgeberrolle, in der Mobilität, bei Naturerlebnissen und in der Art, wie der Kaiserwinkl über sich selbst spricht.
Der Kaiserwinkl muss dafür nicht lauter werden. Eher klarer darin, was bereits da ist – und warum genau das künftig einen Unterschied macht.





