Wer an die Almen denkt und von Landwirtschaft nicht viel weiß, der stellt sich den Sommer dort oben meist recht idyllisch vor. Was die Realität mit sich bringt, das zeigte sich beim ersten Almpflegetag auf der Feldalm bei Walchsee.
Die Almpflege dient primär dem Erhalt der alpinen Kulturlandschaft, der Sicherung von Futterflächen für das Vieh und dem Schutz der Artenvielfalt. Ohne die regelmäßige Pflege in mühsamer Handarbeit würden die Almen innerhalb weniger Jahre verwalden, verbuschen und als wertvoller Lebens- und Erholungsraum verloren gehen. Für Einheimische sowie für Gäste wäre das ein herber Verlust, denn ein florierender Tourismus wäre ohne Landwirtschaft nicht denkbar.
Der erste Almpflegetag auf der Feldalm war eine gemeinsame Initiative von Maschinenring Tirol, dem Tourismusverband Kaiserwinkl, dem Regionalmanagement KUUSK, der Almgenossenschaft Feldalm und der Landjugend Untere Schranne und brachte Landwirtschaft und Tourismus zusammen – und vor allem viele helfende Hände. Zehn Bauern treiben ihre Tiere auf, 174 Hektar groß ist die Weidefläche. „Wir sind hier im Herzen des Naturschutzgebietes Kaisertal“, erklärte Walchsees Bgm. Ekkehard Wimmer. Rund 20 Teilnehmer konnten vom Tourismusverband Kaiserwinkl für die Premiere gewonnen und organisiert werden. Gemeinsam mit den Almbauern wurde auf der Feldalm geschwendet und damit aktiv zum Erhalt der traditionellen Kulturlandschaft beigetragen.
Die Landschaft erhalten
Auf der Alm angekommen wurden die Werkzeuge an die Teilnehmer verteilt – Astscheren, Heckenscheren, Gartenscheren, Motorsensen, Rechen und Mistgabeln – und die Teilnehmer in drei Gruppen aufgeteilt: Die Kinder durften ein Stück mit dem Traktor mitfahren und halfen dann dem Bauer beim Steine sammeln. Eine weitere Gruppe war für das Abschneiden von Latschen, Almrosen, kleinen Bäumen und anderen größeren Gewächsen auf den Weideflächen zuständig. Und dann gab es noch die Farnschneider, die mit Motorsensen ausgestattet waren. Früher hatte diese Arbeit der „Almputzer“ gemacht, der war dafür zuständig, dass die Alm nicht verwaldet, was innerhalb von wenigen Jahren der Fall wäre, wenn nichts getan wird. Diese Almputzer gibt es jedoch nicht mehr, denn das Auffahren auf die Alm rentiert sich ohnehin kaum mehr für die Bauern, die meist ihre Landwirtschaft im Nebenerwerb führen, weil sonst die Familie kaum ernährt werden kann.
„Es ging um mehr als die geleistete Arbeit. Der Almpflegetag ermöglichte einen authentischen Blick hinter die Kulissen der Almwirtschaft. Die Teilnehmer erlebten unmittelbar, welcher Aufwand notwendig ist, damit die Almen zugänglich bleiben und jene Landschaft erhalten wird, die für den Lebens- und Erholungsraum Kaiserwinkl prägend ist“, so TVB-GF Katrin Pühringer
Stimmen der Teilnehmer
„Ich komme so gerne nach Tirol, weil es hier so schön ist. Mir ist klar, dass das mit viel Arbeit verbunden ist und deshalb bin ich all jenen dankbar, die diese nötigen Arbeiten erledigen. Und es freut mich, dass ich heute mithelfen darf“, sagt eine Frau aus dem Ruhrgebiet. Beeindruckt davon, wie schwer die Menschen in der Landwirtschaft heute noch arbeiten müssen, ist Ludgerus Niklas. Im Tal sieht man nur die großen Traktoren und alle möglichen Hilfsmittel, doch auf der Alm braucht es noch viel menschliche Kraft. „Ich habe einen großen Garten daheim und arbeite gerne und ich wollte diese Art der Arbeit kennenlernen“, sagt eine rüstige, ältere Dame, die sich die zünftige Almjause nach der Arbeit schmecken lässt, so wie alle anderen freiwilligen Helfer auch.
Hautnahe Erlebnisse
Dieses Projekt greift eine Entwicklung im Tourismus auf, bei der authentische Erlebnisse, persönliche Begegnungen und sinnstiftende Erfahrungen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gäste möchten eine Region nicht nur besuchen, sondern tiefer kennenlernen, Zusammenhänge verstehen und sich aktiv einbringen. Der Almpflegetag schafft genau diese Verbindung.
Wer an diesem Tag dabei war, der weiß, wieviel Engagement es von jedem Almbauern braucht, um der Verbuschung und Verkrautung der Almen entgegen zu wirken. Während die Tiere den Sommer über auf der Alm sind, kann das Gras im Tal zu Heu getrocknet und als Winternahrung eingelagert werden. Für viele Bauern ist der Almauftrieb daher existenziell notwendig.
Für die Organisatoren des Almtags und auch für die Teilnehmer steht jedenfalls fest, dass es eine erfolgreiche Aktion war, die im nächsten Jahr auf jeden Fall wiederholt werden sollte.






